Freitag, 19. März 2010
Manchmal habe ich Angst vor dieser Verkettung von Umständen, die mich an eine unheimliche Verschwörung oder selbsterfüllende Prophezeiung denken lässt. Oder einfach nur "Warum gerade ich?"...
Zwangsläufig war der Flug nach Deutschland, der vorläufig letzte seiner Art, solch ein merk- und denkwürdiges Ereignis. Doch der Reihe nach:
Ich verbrachte den Tag - es war Donnerstag, der elfte März - ziemlich gelöst und in guter Stimmung mit den letzten Aufräumarbeiten. Es war nicht mehr sehr viel zu tun, denn die Wohnung befand sich in einem sehr soliden Zustand der Grundordnung und Sauberkeit. Der Kühlschrank war leer, ich begann also den Tag mit einem ordentlichen Frühstück im 688 Eating House, traditionell gönnte ich mir zwei Roti Prata.
Die letzten Arbeiten gingen recht flott von der Hand. Nebenher komplettierte ich das Reisegepäck, wobei ich auf das Gewicht achten musste, denn die große deutsche Fluggesellschaft gönnte mir nur ein freies Gepäckstück zu zwanzig Kilogramm und zusätzlich ein Stück Handgepäck.
Im Laufe der Zeit erflog ich mir ein erkleckliches Meilenkonto, das ich aber seltsamerweise nie so richtig für meine Belange einsetzen konnte. Entscheidende Meilen, um in den Genuss von so genannten Buchungsupgrades zu kommen, wurden mir mit Hinweis auf falsche Buchungsklassen nicht angerechnet. Na ja, das Kleingedruckte halt...
Ich fragte also an, ob ich nicht für ein paar zehntausen Meilen mehr Gepäck mitnehmen könne. Doch bis auf einen Sack voller Werbeprospekte kam da nichts wirklich Hilfreiches. Und Übergewicht beim Gepäck wird konsequent und reichlich abkassiert, auf dieser Strecke mit vierzig Euro pro Kilogramm. Da lohnt sich direktes Wegwerfen am Flughafen eher.

Keine Montage, sondern reale Szenerie unweit Boat Quay
Es war nun alles vorbereitet zur Übergabe der Wohnung. Ich ging noch einmal für ein verspätetes Mittagessen außer Haus.
Die Übergabe der Wohnung selbst war nach wenigen Minuten erledigt, denn der Zustand ließ keine Wünsche seitens des Vermieters offen. Ich verabschiedete mich vom Vermieter und vom Makler, rief mir ein Taxi und fuhr zum Flughafen.
Die Maschine sollte fünf nach halb zwölf abends starten. Fünf nach elf sollte das Boarding beginnen. Sollte...
Es wurde fünf Minuten nach elf, zehn nach elf, nichts. Plötzlich "dingdong - Liebe Fluggäste, wir haben ein kleines Problem, die Maschine verliert Treibstoff..."
Ich war erleichtert, dass diese Malaise noch am Boden bemerkt wurde und nicht erst später. Die Fehlersuche zog sich hin, und bald war mir klar, dass ich meinen Anschlussflug in München verpassen würde.
Mit zweistündiger Verspätung hob die Maschine dann doch ab. Es war ein sehr ruhiger Flug ohne Turbulenzen. Die Flugbegleiter boten einen ausgezeichneten Service und hatten auch immer Bier dabei.
Der Treibstoff reichte bis München, und so landeten wir exakt auf die Minute zu der Zeit, als mein Anschlussflug nach Leipzig startete. Kurz vor der Landung wurden die Fluggäste über die Umbuchungen informiert. Flug um Flug wurde aufgezählt, nur Leipzig war nicht dabei...
Am Ticketschalter wurde dann aber doch sehr unkompliziert die Umbuchung vorgenommen. Ich hatte nun fast dreieinhalb Stunden Zeit und frühstückte erst einmal ausgiebig. Der Kaffee war gut, der Preis eher nicht.
Irgendwann begab ich mich zur Sicherheitskontrolle. Dort wurde ich dann gebeten, recht viele Sachen abzulegen oder auszupacken. Laptop, externe Festplatten, Pullover, Gürtel, Brieftasche, Händi und Kleinkram landete in der Schale. Es war schon ungewöhnlich, denn anderenorts reicht es, den Laptop aus dem Rucksack zu nehmen. Da darf der andere Plunder im Rucksack bleiben. Na gut, andere Länder, andere Sitten.
Ich packte also alles wieder ein und zog den Gürtel in die Hose. Der Rest war Formsache, der Flug nach Leipzig war ruhig.
Meine Familie war da und begrüßte mich überschwenglich und überglücklich. Ein schönes Gefühl, wieder zu Hause zu sein! Die kurze Autofahrt nach Hause genoss ich mit Sekt und Schnittchen im Fond des Autos und kam mir fast dekadent vor.
Zu Hause angekommen, packte ich aus. Das Händi des Arbeitgebers nebst Zubehör wollte ich zu der übrigen Technik tun und suchte nun den Laptop...
Langsam reifte die Erkenntnis, dass ich das Firmengerät unterwegs verloren hatte.
Also rekapitulierte ich, von meiner Familie zum Ruhigbleiben aufgefordert, dass ich das Teil zuletzt an der Sicherheitskontrolle des Münchner Flughafens in der Hand hatte. Geschah da nicht erst unlängst ein Zwischenfall mit einem Laptop?
Mit gemischten Gefühlen rief ich im Fundbüro des Flughafens an. Der freundliche Mitarbeiter hatte das Gerät bereits vorliegen. Nach der Identifikation klärten wir die Rückführung. Völlig unbürokratisch und wohlbehalten gelangte der Laptop wieder zu mir.
War das Geschehen nun alles nur purer Zufall, oder wusste da jemand Höheres, dass es sich um meinen vorerst letzten Flug von Asien nach Deutschland handelte?
Mittwoch, 10. März 2010
Hallo, liebe Leser,
der Koffer ist gepackt, es ist alles organisiert und vorbereitet.
Morgen mache ich noch ein wenig Budenzauber, dann übergebe ich die Wohnung und die dazugehörigen Schlüssel.
Ich freue mich wie verrückt auf meine Heimkehr und habe bei ein paar Bierchen heute Abend eine Träne durchs Knopfloch gedrückt. Etwas Wehmut ist ja doch dabei, das gebe ich ehrlich zu.
Das letzte Tiger hat trotzdem geschmeckt, die "Henkersmahlzeit" war ein köstliches Mutton Curry mit Reis und Gemüse. Noch einmal so richtig gut Indisch...
Letzter Gruß aus Singapore,
Ralf
Sonntag, 07. März 2010
Liebe Leser,
morgen wird mein Internetzugang hier in der Wohnung abgeschaltet. SingTel ist mir damit sehr entgegengekommen, es ist der spätestmögliche Zeitpunkt, den sie akzeptieren konnten. Die Schlussrechnung wird mich nicht mehr erreichen, aber einen Tag nach der Abschaltung kann ich den Rechnungsbetrag telefonisch erfragen und dann überweisen.
Schön und sehr praktisch ist, dass meine Prepaidkarte noch funktioniert. Also werde ich am Dienstag die Rechnung am Geldautomaten bezahlen, noch etwas Bargeld abheben und anschließend zur Bank gehen, um die Auszahlung des restlichen Geldbetrages in Euro zu beantragen. Am Mittwoch werde ich mein Bankkonto auflösen und am Donnerstag die Wohnung übergeben.
Die Vorbesichtigung durch den Vermieter und den Makler verlief erfreulich, was auf eine reibungslose Übergabe am Donnerstag schließen lässt.
Bis zum Abflug werde ich hin und wieder bei Starbuck's zu Gast sein, um den kostenlosen Hotspot zu nutzen. Ob es noch für den einen oder anderen Beitrag hier reicht, ist ungewiss.
Sicher ist aber, dass ich noch jede Menge Stoff im Kopf habe und ihn hier in weiteren Beiträgen verarbeiten werde.
Herzliche Grüße aus Singapore,
Ralf

Mittwoch, 03. März 2010
In der vergangenen Woche schrieb ich ja schon, dass ich meinen Employment Pass zurückgeben müsse. Gestern nun habe ich dem Ministry of Manpower einen Besuch abgestattet. Ich befürchtete längere Wartezeiten und entschied mich daher, um die Mittagszeit dort einzutreffen. Ich vertraute darauf, dass der gewöhnliche Singaporer um diese Zeit das macht, was alle Menschen machen: Mittagessen!
Auf der Homepage des MOM hatte ich bereits vorher recherchiert und herausgefunden, dass es dort keine Mittagspause gibt. Die armen Mitarbeiter...
Ich fuhr also nach Chinatown. Der kürzeste Weg führt über den Ausgang D der MRT-Station quer durch das Peoples Park Centre. Dort kommt man im Erdgeschoss an einem Foodcourt vorbei. Ich kam nicht vorbei, sondern musste anhalten, weil ich hungrig wurde. Also spendierte ich mir eine Portion Roasted Chicken Rice, dazu einen frischen Wassermelonensaft.
So gestärkt querte ich noch zwei Straßen und stand mitten im Arbeitsministerium.
Ich reihte mich in die überschaubare Warteschlange ein und konnte nach knapp zehn Minuten mein Anliegen vortragen. Von der netten Dame erhielt ich einen Beleg mit einer Nummer und die höfliche Aufforderung, mich in den zweiten Stock in die entsprechende Wartezone zu begeben. Dort angekommen, registrierte ich vier geöffnete Schalter und keine Wartenden. Nach zwei Minuten war ich auch schon dran. Der Verwaltungsakt bestand aus der Entgegennahme der Kündigungsbestätigung meiner Firma, dem Einzug meiner Arbeitserlaubnis und dem Ausdrucken der Bestätigung über das Erlöschen besagter Erlaubnis. Zusätzlich erhielt ich noch ein Visum bis zum ersten April, welches ich bei der Ausreise vorlegen muss.
Der gesamte Vorgang dauerte fünf Minuten, begleitet von einer kleinen Plauderei mit der netten jungen Dame am Schalter.
Auf dem Rückweg querte ich wieder Peoples Park Centre und entschloss mich, endlich einmal einen richtigen Frisiersalon aufzusuchen. Es war wirklich höchste Zeit, und bisher kannte ich nur diese Schnellschnittkabinen in den Einkaufszentren.
Ich fragte also nach Waschen und Schneiden. Der junge Mann bejahte freudig und bat mich, Platz zu nehmen. Irritiert fragte ich erneut nach einer Haarwäsche. Er erklärte mir, dass er erst schneiden und danach waschen wolle. Das macht ja auch Sinn, allerdings kenne ich diese Reihenfolge bisher so nicht.
Das Schneiden ging recht zügig voran, danach folgte die Wäsche. Der Maestro kam mit einer Flasche Shampoo und einer Flasche Wasser. Mit gemischten Gefühlen beobachtete ich, was er da anstellte. Er wusch mir den Kopf, dann ging diese Haarwäsche unvermittelt in eine halbstündige Massage von Kopfhaut, Schläfen, Nacken, Schultern, Oberarmen und Rücken über...
Herrlich! Ein Genuss!
Damit hatte ich nicht gerechnet. Wer erwartet schon eine Massage beim Haareschneiden? Ich bedauere jetzt, dass ich nicht schon viel früher auf diese Idee kam, einen richtigen Salon aufzusuchen.
Anschließend folgte das Spülen, Fönen und ein wenig Korrekturschnippeln. So war ich nach einer Stunde fertig und fühlte mich frischer denn je.
Für den ganzen Spaß verlangte der Meister zweiundzwanzig Singaporedollar. Ein echtes Schnäppchen!
Montag, 01. März 2010
Heute war nun also mein erster Tag als "freier Mann"...
Ich nutze die Zeit, um ein wenig Ordnung zu schaffen, denn irgendwann in den nächsten Tagen kommt der Makler, um einige Fotos für seine interessierte Kundschaft zu schießen. Am Freitag will sich dann auch der Vermieter sehen lassen, um sich vom Zustand der Mietsache zu überzeugen und die Rückzahlung der Kaution zu veranlassen.
Nebenher beschäftigte ich mich mal mit der Zukunft. Ich schrieb ja unlängst schon von ersten Erlebnissen mit den Arbeitsagenten. Nun stöberte ich auf der Agenten-Homepage nach den Voraussetzungen für den Erhalt unterschiedlicher Leistungen.
Da ich mich in der Vergangenheit auf mündliche Zusagen verließ, kümmerte ich mich angesichts einer vermeintlich gesicherten Weiterbeschäftigung im Falle der Rückkehr nach Deutschland auch nicht um irgendwelche Anwartschaften.
Da ich in den letzten zwei Jahren nur auf eine zehnmonatige sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Deutschland zurückblicken kann, habe ich keinen Ansprucht auf die Zahlung von Arbeitslosengeld.
Das bedeutet, dass ich wahrscheinlich sofort in den Dunstkreis "Hartz IV" falle...
Ein halbes Jahr werde ich mit den Ersparnissen hinkommen, in dieser Zeit muss ich eine Alternative gefunden haben.
Die menschenunwürdige Hartz-IV-Praxis ist jedenfalls keine Perspektive für mich.
Kopf hoch, auch wenn der Hals noch so dreckig ist! Ich schaue mal, dass ich aus diesem Auslandseinsatz ein wenig Kapital schlagen kann.
Optimistische Grüße,
Ralf
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