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Mittwoch, 29. Oktober 2008Der 7. Oktober hielt am Nachmittag eine Stadtrundfahrt für uns bereit. Mit dem Bus ging es erst mal quer durch die Stadt zu einem nagelneuen Restaurant in einem nagelneuen Golf-Resort. Das Essen bestand aus 9 Gängen, jeder Gang eine kleine Leckerei. Die jeweiligen Portionen waren nicht sehr groß, schmeckten aber dafür um so leckerer.

Die Bedienung des Restaurants traute uns Langnasen den Umgang mit dem traditionellen Essbesteck Asiens - den Chopsticks - wohl nicht so recht zu und legte Messer, Gabeln und Löffel auf. Zum Glück jedoch gab es doch noch Stäbchen. Viele der kleinen Leckereine sind mit den Stäbchen besser zu handhaben, wie ich finde.
Nicht gerade so ein hartes Schalentier, wie auf dem obigen Bild, aber Nudelsuppe geht eindeutig am Besten mit Stäbchen...
Nach dem Essen ging es dann zum Wiedervereinigungspalast. Nur gut, dass es zum Mittag keine Haxe mit Klößen gab, die hätte sich bei der schaukeligen Busfahrt wohl heftig bemerkbar gemacht. Der ehemalige Präsidentenpalast ist jetzt Museum.

Insgesamt legte unser Guide sehr viel Wert auf die Besichtigung des Palastes, so dass wir für die folgenden Sehenswürdigkeiten nicht mehr sehr viel Zeit übrig hatten. Dennoch ist der Palast recht sehenswert, weil er keine Bewertungen aus der Siegerperspektive enthält, sondern eine überwiegend sachliche Darstellung der Geschichte.
Nach dem Palast besuchten wir das War Remnants Museum. Im Hof kann man allerlei eingesetztes amerikanisches Kriegsgerät besichtigen.

Es war schon beklemmend, vor allem die Ausmaße verschiedener Bomben zu sehen. Immerhin habe ich einige Bilder gemacht.
Dann sah ich mich in der Halle um. Man konnte dort jede Menge Fotos aus dem Vietnamkrieg sehen. Die bekannten Bilder der Agentur Reuters waren darunter, aber auch eine Reihe unbekannter Fotografien. Die Wucht der Bilder schien mich zu erschlagen. Ich war nicht fähig, dort drin zu fotografieren. Auch hier wieder keine Wertung, nur Bildunterschriften mit einer Erklärung des Inhalts. Es handelte sich um Bilder, die die Kriegsverbrechen der Amerikaner dokumentierten...
Da war der folgende Besuch einer Manufaktur für Lackmalereien genau das richtige Kontrastprogramm.
Eine junge Frau empfing und begrüßte uns auf Deutsch. Sie erläuterte kurz die wichtigsten 18 oder 19 Arbeitsschritte auf dem Weg zu einem kleinen Kunstwerk. Schleifen schien so ziemlich eine der wichtigsten Arbeiten zu sein. Unten mal ein Schleifer bei der Arbeit:

Bei den Lackmalerein werden auch oft Einlegearbeiten angefertigt. Diese können aus Perlmutt bestehen oder aus gerösteten Eierschalen. Geröstet werden die Schalen deshalb, weil man damit die Eierschalen einfärben kann.
Hier mal ein Künstlerin bei der Verarbeitung der Eierschalen:

Auf Pergamentpapier wird ein genauer Plan von der Lage, Farbe und Form der Eierschalen-Splitter aufgezeichnet und die Splitter dann auf der Fläche angeordnet. Es sah nach einem langwierigen Geduldsspiel aus.
Natürlich wurden wir auch durch den Ausstellungs- und Verkaufsraum geführt. Bei den Preisen schrumpfte meine Kauflust allerdings gegen Null ...
Schön anzusehen waren die ausgestellten Kunstwerke aber allemal.
Auf der Fahrt durch die Stadt sah ich vor allem Mopeds.

Manchmal war es haarsträubend, wie nahe die Piloten noch den Bus umkurvten. Jetzt zum Feierabend bekam ich langsam einen Eindruck von der gewaltigen Zahl der Zweiräder.
Aber auch solche Bilder konnte man sehen.

Es bleib noch etwas Zeit, weshalb der Bus noch einen kurzen ABstecer zum Platz der Pariser Kommune machte. Ihr erinnert Euch sicher an die Post und Notre Dame. Jetzt war ich froh, dass ich angesichts der knappen Zeit vormittags schon mal hier war und in Ruhe mich umsehen und fotografieren konnte.
Dieses Hochzeitspaar "erwischte" ich am Vormittag:

Bald ging es auch schon zurück ins Hotel, denn wir hatten ja einen offiziellen Termin beim Botschafter, um mit ihm, seiner Frau und vielen anderen Gästen aus Wirtschaft und Politik Vietnams und Deutschlands auf den Tag der Deutschen Einheit anzustoßen. (Ein Schelm, wer jetzt angesichts des Datums Böses denkt ...)
Das Essen war toll, es gab genügend Bier, und bis auf unsere Gruppe und den MdB Friedrich Merz kannte ich keine Menschenseele, so dass ich den Abend in Ruhe genießen konnte.
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