Samstag, 21. Februar 2009
Es ist in den letzten Tagen ziemlich warm geworden. Wir haben jetzt jeden Tag um die fünfunddreißig Grad. Da lag es nahe, mal an eine Erfrischung zu denken. Da ich das gechlorte Wasser in einem Pool oder Schwimmbad nicht so mag, kam nur der Ozean in Frage. Doch wohin? Sentosa kannte ich schon, und auf einen Strand an der Nordküste hatte ich keine Lust. Also kurbelte ich das Internet an und begab mich auf die Suche. Ich fand sehr schnell diesen schönen Bericht, der meine Neugier richtig anstachelte.
http://www.abenteuer-reisen.de/community/reporter/Pele/reportage/19458
So machte ich mich heute morgen in aller Herrgottsfrühe auf die Strümpfe, um St. John's und Kusu Island zu besuchen.
Stimmt natürlich nicht ganz, denn erstens trage ich in der Freizeit hier keine Strümpfe oder Socken, und zweitens bin ich erst gegen elf Uhr aus dem Haus gegangen.
Wie auch immer, dieser Tag stand von Anfang an unter keinem guten Stern. In der Bahn fiel mir ein, dass ich doch den Fotoapparat mitnehmen wollte. Ich hatte extra die Akkus aufgeladen...
Zur Umkehr war keine Zeit mehr, die Fähre wartet nicht. So schaffte ich - wenigstens ein Erfolgserlebnis - die Fähre noch geradeso. Nach der halbstündigen und ruhigen Überfahrt erwartete mich St. John's Island erst mal mit einem kräftigen Regenschauer. Der hörte aber bald auf, und ich begab mich zum Strand. Schnell die mitgebrachte Decke ausgebreitet, denn der Boden war in Minutenschnelle abgetrocknet, und rein ins Wasser. Doch gerade in diesem Moment fing es wieder an zu regnen. Also ich wieder raus aus dem Wasser und erst mal die Sachen in eine Schutzhütte gebracht. Dann wollte ich wieder ins Meer hüpfen. Das stellte sich aber als unmöglich heraus. Mehr als knietiefes Wasser gab es nicht, ganz gleich, wie weit ich watete. Ich hatte einfach die falsche Zeit erwischt. Es war Ebbe ...
Nun spürte ich Hunger und beschloss, erst mal was zu futtern. Als ich in der Schutzhütte saß, fing es dann so richtig an zu schütten. Es war ein tolles Tropengewitter, und es dauerte ziemlich lange. Mittlerweile war das Wasser in der Lagune an seinem Tiefpunkt angekommen. Es war nur noch ein Pfütze zu sehen. Ich strich also das Vorhaben "Baden" vom Ablaufplan.
Dann wurde es auch schon Zeit, dass ich zur Anlegestelle ging, denn die letzte Fähre musste ich kriegen, wollte ich nicht auf St. John's Island übernachten.
Auch wenn der Badespaß ins Wasser fiel, hat es mir sehr gut gefallen, denn es war eine unbeschreibliche Ruhe da draußen. Es ist wirklich die Empfehlung, wenn man der Großstadthektik für kurze Zeit entfliehen will.
Auf der Rückfahrt bekam ich noch Kusu Island zu sehen, weil die Fähre dort für zwanzig Minuten anlegt.
Von den drei Stunden, die ich auf St. John's Island weilte, hat es bestimmt zweieinhalb Stunden nur geregnet...
Der Tag war nicht annähernd so schlimm, wie es sich anfangs anfühlte, denn ich habe mich sehr gut erholt. Außerdem weiß ich jetzt, wie ich so einen Badetag richtig planen muss. Die erste Fähre um neun Uhr muss ich bekommen, dann klappts auch, dass genug Badewasser da ist.
Und den Fotoapparat nehme ich mit, versprochen!
Mittwoch, 18. Februar 2009
Die Zeit rast.
Bei einem meiner letzten Besuche in einem Lokal einer sehr bekannten Kaffeehauskette unterhielt ich mich mit der sehr netten, sehr jungen Dame hinter dem Tresen. Wir redeten so über dies und das ... Natürlich fragte sie mich, was ich denn hier mache. Also erzählte ich ihr, dass ich kein Tourist sei, sondern hier arbeite und wohne. Natürlich erwähnte ich auch, dass es mir in Woodlands gefällt und es sich hier ganz gut leben lässt. Die Antwort war, dass das wohl stimmen möge, ansonsten und überhaupt und allgemein das Leben aber viel zu schnell sei in Singapore.
Meine Erfahrungen der letzten Tage und Wochen sagen nichts anderes ...
Das letzte Wochenende war aber recht ruhig. Natürlich konnte ich nun den Tag anders einteilen, weil ich nicht mehr aus dem Haus muss, um mit der Familie Kontakt via skype aufzunehmen.
Am Samstag war erst mal Ausschlafen angesagt, denn ich hatte nach dem Besuch meines Kommunikationszentrums und dem ausgiebigen Genuss der einheimischen Speisen und Getränke noch ziemlich lange vor dem Rechenknecht gesessen. Natürlich ich bin nicht spät ins Bett gegangen, sondern ganz schön früh.
Selbstverständlich stand auch Einkaufen und die Wäsche auf dem Programm. Der wichtigste Punkt war aber das Abendessen mit Freunden in einem libanesischen Restaurant.
http://www.alqasr.com.sg/index.htm
Es gab nach dem Salat unter anderem Batata Harrah, Falafel, Halabi Kabab Batinjan und Lahim Bel Ajeen, alles kleine Leckereien, meist gefüllt mit Hackfleisch vom Lamm oder vom Rind. Die Batata waren Bratkartoffeln, kleine Würfel und mit Knoblauch, Koriander und Chilli gewürzt. Es schmeckte alles sehr kräftig und gut gewürzt, aber nicht übermäßig scharf.
Bisher hatte ich noch keine Berührung zur libanesischen Küche gehabt, weshalb ich sehr neugierig darauf war. Mir hat es aber ausgezeichnet geschmeckt. Die Speisen sind für meinen europäischen Gschmack nicht sonderlich gewöhnungsbedürftig, aber exotisch genug, um als etwas Besonderes zu gelten. Ich erwartete auch einen recht exotischen Preis, doch ich wurde angenehm überrascht. Die achtundsechzig Singdollars für 3 Personen waren wirklich angemessen, um mich jetzt mal diplomatisch auszudrücken.
So hatte ich einen sehr schönen Abend in Gesellschaft und musste meinen Geburtstag nicht alleine feiern. An dieser Stelle möchte ich mich noch mal für die Grüße und Glückwünsche bedanken.
Der Sonntag war dann recht ruhig. Am Nachmittag rappelte ich mich endlich mal auf, um noch was von der Gegend hier zu sehen. Mir fiel schon vor einigen Tagen auf, dass an vielen Stellen große Zelte errichtet wurden. Das sah ich mir einmal genauer an. Irgendwie hatte ich aber etwas Besondereres erwartet, als ich dann aber antraf. Es waren Verkaufsstände aller Art. Vom Krimskrams, den kein Mensch braucht, über Klamotten bis hin zu Autos konnte man alles kaufen. Angenehm dabei war, dass auch gleich genug Essen und Getränke angeboten wurden. So erfrischte ich mich angesichts der hohen Temperaturen erst mal mit einer kühlen Kokosnuss. Das ist ein Geheimtipp, den man hier an jeder Ecke bekommt. Den Tip, nicht die Nuss. Was daran aber stimmt, ist die Erfrischung, die man davon hat. Seltsamerweise bilde ich mir ein, dass während des Genusses die Körpertemperatur sinkt. Ist das nur Einbildung, oder ist da gar etwas Wahres dran? Vielleicht komme ich ja noch dahinter, denn sicher ist, dass ich bei der nächsten Gelegenheit wieder eine Kokosnuss in der Hand halte...

Nachdem ich genug gesehen hatte, machte ich mich auf zum Woodlands Centre am Alten Kino. Dort schlenderte ich ein wenig und hielt Ausschau nach Hemden. Aber die angebotenen Hemden hatten entweder nicht meine Größe oder trafen nicht meinen Geschmack. Die Größenangabe ist ja so ein Ding für sich! Wenn ich zu Hause in Deutschland eine XXL probiere, dann passt das meist. Die Größe XXL gibt es hier auch, allerdings ist das so klein, dass ich ein solches Teil nicht probieren muss, um herauszufinden, dass es nicht passt ... Ich hatte unlängst ein T-Shirt in XXXXXXXL (ja, richtig, das sind sieben X!) gesehen und zweifelte, ob ich da wohl reinpassen würde. So ist es nicht ganz einfach, die passende Größe zu bekommen. Vielleicht frage ich mal einen richtig dicken Chinesen hier, wo er seine Klamotten kauft.
Dann hatte mich auch schon der Alltag wieder eingeholt, denn es war bereits wieder Montag.
Auf dem Weg zum Büro kann ich eine Menge beobachten, falls ich im Bus nicht schlafe. Mir fiel auf, dass selbst die Industriegebiete hier viel Vegetation bieten.

Auch sonst kann man einige schon eher haarsträubende Beobachtungen machen, wenn man unsere Maßstäbe anlegt. Die Personenbeförderung auf der Straße ist zum Beispiel ein solches Thema. Sehr beliebt sind die kleinen Transporter mit Pritsche. Da werden dann einfache Bretter auf die Planken gelegt, ein Geländer angebracht und in der Luxusausführung ein Dach drübergeschraubt. Fertig ist der firmeneigene "Bus".

(Das Bild ist etwas unscharf, war auch nicht einfach, aus dem fahrenden Bus auf ein fahrendes "Ziel" zu "schießen".)
Ich bin sehr froh, dass meine gastgebende Firma einen richtigen Reisebus gechartert hat. Offensichtlich sind hier die Vorschriften in dieser Hinsicht etwas laxer. Nun weiß ich auch, was es bedeutet, wenn an einem LKW ein Schild "32 pax" hinten an der Pritsche angebracht ist. Es dürfen bis zu 32 Personen auf der Ladefläche mitfahren. Natürlich ohne Sitz und Gurt, ohne Netz und doppelten Boden. Dafür ist dann aber die Geschwindigkeit des LKW auf sechzig Stundenkilometer begrenzt, zur Sicherheit wahrscheinlich.
Selbstverständlich wird oft gleichzeitig mit den Personen auch noch das eine oder andere Material befördert. Aber ich habe mich an diesen Anblick gewöhnt und die Nackenhaare stellen sich nicht mehr auf...
* * *
Die Zeit rast.
Trotzdem sehne ich mich nach meiner Familie und kann den Tag kaum erwarten, an dem meine erste Geschäftsreise nach Deutschland beginnt...
Herzliche Grüße aus Singapore,
Ralf
Samstag, 14. Februar 2009
Nun ist es soweit: Ich habe meinen eigenen Internetzugang bekommen.
Gestern war der Engineer da und hat die Gerätschaften vorbeigebracht und installiert. Mittlerweile habe ich mit der Arbeit der Unternehmen und Behörden hier meine Erfahrungen gemacht, und so ging ich davon aus, dass er zur vereinbarten Zeit erscheint und ich im Ergebnis seiner Arbeit einen schnellen und störungsfreien Zugang zum Internet haben würde.
Also beeilte ich mich und machte schon ein wenig früher Feierabend, schließlich sollte die Aktion nicht ausgerechnet an meiner Unpünktlichkeit scheitern. Doch ich schaffte es und war rechtzeitig zu Hause.
Erster Pluspunkt: der Kollege kam 10 Minuten vor der angekündigten Zeit. Zu allem Überfluss hatte er auch noch alle Gerätschaften und Unterlagen dabei. Dann machte er sich an die Arbeit und erläuterte dabei jeden wichtigen Schritt. Nach etwa 5 Minuten und der Klärung, wo das Modem seinen Platz finden sollte, kam der lange ersehnte Moment: Ich hatte meinen eigenen Internetanschluss. Da ich noch keinen eigenen Telefonapparat besitze, holte der junge Mann schnell sein Testgerät und ich konnte mich von der Funktionstüchtigkeit des Telefonanschlusses überzeugen.
Nun ging es noch an die Installation der Box für das Fernsehen. Die Box bezieht die Fernsehkanäle vom Modem. Ich verfüge nun über einige Kanäle mehr als bisher, inklusive Video on demand und solchen Schnickschnack. Auch hier war die Installation von Erläuterungen sowie einer umfangreichen Einweisung in die Besonderheiten der Fernsehbox begleitet. Nach insgesamt 25 Minuten war die Angelegenheit erledigt und ich um einen Breitband-Internet-, Telefon- und Fernsehanschluss reicher.

Modem und Fernsehbox
Ich will ja nicht nörgeln, aber meine letzten Erfahrungen zu diesem Thema, die ich in Deutschland machte, sehen da etwas anders aus. Servicewüste... Aber ich wollte ja nicht nörgeln, also freue ich mich über die Schnelligkeit, Qualität und Freundlichkeit, mit der hier jede Aufgabe erledigt wird.
Natürlich habe ich dann gleich ausgiebig Weltanschauung betrieben. Nun muss ich nicht mehr zu Starbuck's fahren und auf einen freien Platz im guten Empfangsbereich des Wireless LAN hoffen. Als dann meine Familie online war, konnte ich zum ersten Mal mit ihr einen Rundgang durch die Wohnung machen. Ich bin immer wieder begeistert, was mit ein wenig technischem Aufwand alles so machbar ist.
Herzlichst aus Singapore,
Ralf
Sonntag, 08. Februar 2009
Nun ist schon wieder Sonntag und ich merke, wie schnell die Woche vergangen ist. Gerne hätte ich zwischendurch den einen oder anderen Beitrag geschrieben, aber irgendwie hat mich der noch ungewohnte Alltag fest in seinem Griff.
In Singapore beträgt die gesetzlich zulässige Arbeitszeit maximal 44 Stunden, die wahrscheinlich auch voll ausgeschöpft werden. Die Firma, in der ich mein Büro bezogen habe, stellt einen kostenlosen Bus-Shuttle bereit. Dieser Bus fährt drei feste Treffpunkte an, um die Kollegen einzusammeln. Für mich ist das recht bequem, spare ich doch so etwas Geld. Mein Arbeitsweg gestaltet sich morgens so: Um 6.40 Uhr verlasse ich die Wohnung und gehe zur Bushaltestelle, die sich fast unmittelbar vor dem Block befindet. Zuerst fahre ich mit dem Bus zwei Haltestellen bis zur MRT, dann mit der Bahn etwa 15 Minuten oder präzise 5 Stationen bis zum ersten Treffpunkt. Dort steige ich in den Firmenbus, der je nach Verkehrsdichte etwa 40 Minuten bis zur Firma benötigt (die 40 Minuten sind die optimistische Annahme...). Etwa gegen 8.15 bin ich dann an meinem Platz.
Der Weg bis zum Büro ist schon ziemlich lang. Die meisten Kollegen nutzen die Zeit im Bus deshalb für ein Nickerchen.

Und ich dachte noch so bei mir, ich leiste der netten Kollegin, die mich am Montag von der Bahn abgeholt und zum Treffpunkt gebracht hatte, ein wenig Gesellschaft und plaudere mit ihr. Dass ich sie aber von ihrer Lieblingsbeschäftigung abhielt, sagte sie mir dann indirekt auf dem Rückweg in der Bahn ...
Apropos Bahn, in der MRT wird natürlich auch geschlafen. Es gibt sogar Künstler, die tun das im Stehen.
Ich kann im Bus nicht schlafen und schaue mir lieber die Gegend an.

Für den Rückweg wird dann mindestens genausoviel Zeit benötigt, meist ist aber die Verkehrsdichte noch höher. Der Bus verlässt die Firma so gegen 18 Uhr. Oft bin ich dann erst gegen viertel oder halb acht wieder zu Hause. Schneller geht es, wenn mein Freund Jeffrey in der Firma weilt und mich zum Feierabend im Auto mitnimmt. Dann spare ich fast eine halbe Stunde.
Den Abend verbringe ich manchmal mit Einkaufen und dem Abendessen. Jeder größere Einkaufstempel - fast an jeder MRT-Station gibt es einen davon - hat seinen eigenen Foodcourt, wo man aus einem sehr umfangreichen Angebot wählen kann. Anschließend schaue ich noch bei Starbuck's rein, um über deren kostenfreien Hotspot Zugang zum Internet zu bekommen und mit meiner Familie zu quatschen. Dann ist es aber auch schon an der Zeit, nach Hause zu fahren, denn am nächsten Morgen klingelt wieder unerbittlich der Wecker. Wenn ich keine Lust zum Einkaufen verspüre oder einfach zu müde bin, nehme ich das Dinner hier vor dem Block im "688 Eating House". Das spart Zeit und Geld. Selbst gekocht habe ich noch nicht. Ich kann mir angesichts der Preise im Supermarkt noch nicht vorstellen, dass Selberkochen preiswerter sein soll.
Allerdings versuche ich sowieso gerade zu ergründen, wie der Kapitalismus hier funktioniert. Wenn ich da nur mal die Anzahl der Angestellten in "meinem" Eating House zu der Zahl der Gäste und den Preisen ins Verhältnis setze, komme ich aus dem Grübeln so schnell nicht mehr heraus ...
Am Wochenende habe ich dann die Zeit, mir interessante Sehenswürdigkeiten anzuschauen oder auch mal einfache Dinge zu erledigen, wie zum Beispiel Wäsche waschen. Wenn in Singapur Waschtag ist, sieht es dann an jedem Block ungefähr so aus:

So habe ich Muße und das Auge für den besonderen Blick.
Zum Beispiel dafür, dass es in Singapore nicht immer und überall so sauber ist, wie es oft vermittelt wird. Hier würde es wohl kaum auffallen, den so oft zitierten Kaugummi auszuspucken und die eintausend Singdollar Strafe zu riskieren.

Damit soll es aber gut sein, denn es gibt meiner Meinung nach schon genug Müll im Internet.
Bei der Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel habe ich einige interessante Beobachtungen gemacht. Die Taktzeiten sind mit etwa fünf Minuten sehr kurz. Das heißt, etwa alle fünf Minuten fährt eine Bahn oder ein Bus in jede Richtung. Trotzdem gibt es eine beträchtliche Anzahl von Leuten, die zur Bahn oder zum Bus rennen, um ausgerechnet diesen noch zu erwischen. Ich gehe lieber ein wenig eher aus dem Haus und muss angesichts der Reserve nicht rennen, was bei morgendlichen Temperaturen von rund 25°C auch angenehmer ist. Immerhin habe ich dabei mitbekommen, dass der Versuch, einen Bus noch zu erwischen, meist von Erfolg gekrönt ist. Sieht der Busfahrer den heraneilenden Fahrgast, wartet er oder hält extra noch mal an, falls er schon angerollt ist. Das ist gar nicht so selten. Es ist auch üblich, älteren Leuten oder Frauen mit kleinen Kindern ungefragt einen Sitzplatz anzubieten.
Nun war Sonnabend, und ich entschloss mich, nach Chinatown zu fahren, um mich in Ruhe umzusehen. Denn direkt zu den Feiertagen anlässlich Chinese New Year war das ja keine wahre Freude, und eine Erholung schon gar nicht. Diesmal brach ich schon recht früh auf und kam gegen Zehn in Chinatown an. Das war eine ganz gute Zeit. Ein Teil der Geschäfte macht um Zehn auf, der andere erst um Elf. So hatte ich die Gelegenheit, erst mal einen traditionellen Kopi-ah zu bestellen, diesen herrlich süßen Kaffee, an den ich mich mittlerweile schon gewöhnt habe. Beim Bummel durch die Straßen konnte ich mir so einige Anregungen für kleine Mitbringsel holen, aber auch wichtige Informationen für einige Anschaffungen in der Firma bekommen.
Und ich fand auch die Basis des Würstelstandes:

Allerdings war Erich nicht da. Aber eines Tages werde ich ihn bestimmt antreffen und die Gelegenheit zu einem kurzen Schwätzchen haben. Doch nun weiß ich fürs Erste, wo ich Schwarzbrot herbekomme, denn die Supermärkte führen so etwas nicht.
Bei meinem Bummel durch Chinatown kam ich natürlich auch wieder am Sri-Mariamman-Tempel vorbei. Diesmal beschloss ich aber, hineinzugehen. Also erst mal die Latschen aus.

Nach meinen Erfahrungen in Malaysia hoffte ich, dass es hier genauso ungefährlich sein möge, barfuß herumzulaufen.
Kaum war ich drin, wurden mir schon 3 Dollars abgeknöpft für eine Fotoerlaubnis. Mein Escheinungsbild ließ den Wachmann wohl auf einen Touristen schließen. Na gut, was sein muss, muss sein. Ich bin dann allerdings ziemlich achtlos an den überall aufgestellten Spendenboxen vorbeigeschlendert, Shiva möge mir verzeihen. Die Zeremonie, die da gerade lief, war sehr beeindruckend. Den Videoclip, den ich davon gedreht habe, werde ich bei nächster Gelegenheit mal hochladen und den Link hier bekanntgeben.
http://www.youtube.com/watch?v=K5WXDL4pA0E

Auch viele kleine Kinder waren im Tempel anzutreffen, sie waren zusammen mit ihren Familien da. Ob da nicht solche Figuren etwas abschreckend und furchteinflößend wirken?

Wie auch immer, ein Besuch dieses Tempels ist empfehlenswert.
Mindestens genauso empfehlenswert ist der Besuch eines Wetmarkets. So werden hier die Märkte bezeichnet, auf denen man Fleisch, Fisch und Gemüse kaufen kann. Meist sind diese Märkte ziemlich offen und nicht klimatisiert. Nichts für feine Nasen also. Das Schuhwerk sollte über ausreichend hohe Sohlen verfügen, sonst holt an sich schnell nasse Füße.

Angesichts der angebotenen "Köstlichkeiten" fällt es mir schwer zu glauben, dass man daraus solch feine Speisen zubereiten kann.

Bei dem Anblick dieser Kreaturen schwor ich mir aber, nichts Derartiges zu probieren.

Davon konnte ich mich dann beim Anblick des frischen Grüns in der Gemüseabteilung wieder erholen.

Als ich dann mit gemischten Gefühlen das Gebäude verließ, schienen die Zwei zu sagen: Nimms leicht!

Von Chinatown aus spazierte ich weiter zum Financial District. Das ist da, wo die vielen Wolkenkratzer rumstehen. Für mein Gefühl war das nur ein Katzensprung, ein Singaporer aber würde niemals eine Viertelstunde ununterbrochen laufen, zumal zwei Bahnstationen auf dem Weg liegen. Mir machte das aber nichts aus. Am Raffles Place verschnaufte ich kurz und fuhr dann tatsächlich mit der Bahn in Richtung Orchard Road, stieg aber in Dhoby Ghaut schon aus, um den Rest des Weges zu laufen. Mein Ziel war das Starbuck's neben Orchard Plaza. Das hatte zwei Gründe: erstens war die Zeit heran, Verbindung nach Hause aufzunehmen, und zweitens sitzt man dort sehr schön bei erträglichen Temperaturen. Über den Sonnenschirmen sind Ventilatoren mit Düsen angebracht. Aus diesen Düsen wird ein Wassernebel gesprüht, den die Venilatoren auf die Schirme verteilen. Die entstehende Verdunstungskälte sorgt für ein angenehmes Klima unter den Schirmen.
Den Abend beschloss ich mit ein paar Besorgungen im Supermarkt des Woodlands Causeway Point und dem Abendessen. Anschließend noch ein kurzer Plausch mit der Familie, dann fuhr ich nach Hause. Ich war recht geschafft von diesem Tag.
Nun ist schon wieder Sonntag. Ich begann mit einem zünftigen Fühstück, wie nicht anders zu erwarten gab es Roti Prata. Natürlich wieder einen mit Zwiebeln und einen mit Ei, dazu die schöne scharfe Soße und einen Kaffee.

Sonntag, 01. Februar 2009
Nun hatte ich also doch Lust auf den Besuch des Armeemuseums. Eine kurze Recherche ergab, dass es wohl recht einfach sein müsste, dorthin zu gelangen. Also begann ich den Tag frohgelaunt mit einem indischen Frühstück, natürlich Roti Prata...
Dann machte ich mich auf den Weg. Es war wirklich einfach. Erst mit dem Bus zwei Haltestellen bis zur Bahn, mit der Bahn von Admiralty nach Boon Lay mit Umsteigen in Jurong East. Anschließend wieder mit dem Bus ein paar Haltestellen bis zum SAFTI, der Militärakademie der Singapore Armed Forces.
www.transitlink.com.sg/images/eguide/mrt_sys_map.htm
Das war allerdings der falsche Eingang. Die Wache war aber so freundlich, mir den richtigen Weg zu erklären.
Das Wappen am Eingangstor.
Das recht kleine Land Singapore hat eine kleine Armee. Das Armeemuseum war auch ziemlich klein. Trotzdem war ich gespannt, was mich erwartet. Die Geschichte der SAF beginnt praktisch mit der Unahängigkeit im Jahr 1965. Seither hat sich die Armee bei der Bekämpfung von Terror im Zusammenhang mit der Unabhängigkeit, bei verschiedenen UN-Missionen vor allem in Ost-Timor sowie durch die Hilfseinsätze bei Naturkatastrophen bewährt.
Struktur der SAF Ende 1969
Schrank eines Corporals. Den Schränken, die ich so kennengelernt hatte, sah dieser hier ziemlich ähnlich, wie ich fand ...
Im Außenbereich ist eine kleine Auswahl an Technik zu sehen, hier ein rückstoßfreies Geschütz Kaliber 105 mm.
Der Typ im Hintergrund heißt M113 ...
155-mm-Haubitze M68
Mit diesen MGB (Medium Girder Bridge) genannten Elementen sollen rund 100 Mann in der Lage gewesen sein, innerhalb 7 Sunden mehr als 50 Meter zu überspannen.
Im Außenbereich sind auch noch einige Elemente des Lebens unter feldmäßigen Bedingungen installiert. So wird der Bau von feldmäßigen Unterkünften veranschaulicht, ebenso die Besorgung von Nahrung mittels verschiedener Fallen. Alles recht interessant anzuschauen. Hier mal die Auswahl der Schießscheiben.
So hatte ich einen ziemlich interessanten Tag. Es ist aber unmöglich, hier alle Bilder einzustellen, die ich gemacht habe. Wer sich mehr für dieses Museum interessiert, findet auf der Hompage sicher weitere Informationen.
www.mindef.gov.sg/imindef/mindef_websites/atozlistings/army/microsites/armymuseum/index.html
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